Archive für Juni 2010

Sie nannten ihn Frankie

Wir liegen auf der Wiese. Urlaubsfeeling. Ausgelassene Stimmung, die Gespräche von Sonnenschein und guter Laune durchzogen. Auf dem Grill das Fleisch, in der Hand das Bier. Um uns herum alles zwischen 20 und 25 Jahren. Er nicht. Und trotzdem ist er hier, jeden Tag vielleicht. Wenn ich hier bin, sehe ich ihn immer, ihn und seine Tasche, die er behutsam mit PET-Flaschen füllt. Wirkt kek, der Junge, und kein bisschen ängstlich oder eingeschüchtert zwischen den ganzen trinkenden Studenten und sonstigen jungen Erwachsenen, die im Schnitt sicher 8 Jahre älter sind als er. They call him Frankie. Frankie hab ich noch nie mit Gleichaltrigen gesehen, immer allein, immer auf den Wiesen, immer mit den Pfandflaschen und einem kessen Spruch auf Lager. Mit abgewetzten Klamotten und einer Kappi im Bundeswehrstyle wegen der Sonne. Der kommt definitiv besser an bei den Horden als die alte Zigeunerin mit ihrem Trolli und dem einzigen deutschen Satz, den sie kann: “Du Flasche selber, oder?”, oder dem alten Opa, der erst garnicht fragt und sich einfach der leeren Flaschen bedient. Da hat Frankie die Sympathiepunkte sicher in seinen jungen Jahren, mit 14(???) unter Dauerfeiernden.

Ich seh ihn wieder, und das nicht auf der Wiese. In meiner Stadt ist eine, nennen wir es Riesenparty, zu der jeder geht. Vorher, den gesamten Tag lang, trifft sich die “junge Szene” auf einer Wiese. Wie sollte es sein mit Grill und Bier. Da darf auch Frankie nicht fehlen. Und diesmal ist er noch besser ausgestattet. “Passt ihr mal kurz auf meinen Einkaufswagen auf, während ich weiter sammle und guckt, dass sich der Opa daran nicht bedient?” “Na klar”, für Frankie doch gern. Da kann man nur staunen. der Wagen ist voll, sicher genug Pfand für neue Kleidung…aber Frankie trägt noch immer die gleiche abgewetzte Kleidung. Der alte Opa mit dem miesen Blick ist auch hier. Kein gutes Geschäft für ihn, und so streicht er neidisch über den Wagen von Frankie, der grinsend mit der nächsten Ausbeute daher kommt. Jetzt sind wir neugierig. “Sag mal Frankie, wieviel verdienst Du so?”, “mh auf den Wiesen sind es um die 20 am Tag. Hier mehr. 100 werden es locker sein.” Wir staunen. Fragen ihn, ob er das Geld behalten darf, er nickt. Das sei sein Taschengeld. Nettes Gehalt für einen Tag. Für einen Jungen, der mit 14 (???) unter viel Älteren weilt, die Drogen konsumieren, und wenn es nur der Alkohol ist, und sich dennoch wohl fühlt. Mit Freunden haben wir ihn noch nie gesehen. Die sind wohl Zeitung austragen oder Autos putzen.

 Der Wagen ist voll, den sollte er mal lieber zum Automaten bringen. “Jaja, später. Da vorne hab ich auch noch zwei stehen. Und wenn die voll sind, holt mich mein Dad mit dem Hänger ab.”…

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